Traulsen (Die Linke): Der 1. September mahnt – Frieden ist keine Selbstverständlichkeit
Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. 87 Jahre später begehen wir diesen Tag als Weltfriedenstag – und das ist kein symbolischer Zufall, sondern eine Mahnung, der wir uns stellen müssen.
„Wir leben heute in der längsten Periode ohne Krieg auf deutschem Boden seit Beginn der Neuzeit. Das ist keine Selbstverständlichkeit – das ist eine historische Ausnahme", sagt Timo Traulsen, Kreisvorsitzender der Nordhäuser Linken.
„Europa ist nach 1945 zusammengewachsen – nicht weil das einfach war, sondern weil Menschen und Nationen verstanden haben, dass Zusammenarbeit der einzige Weg ist, der nicht wieder in die Katastrophe führt. Das war eine Leistung. Und es ist eine Leistung, die verteidigt werden muss."
Traulsen macht keinen Hehl daraus, dass er diese in Gefahr sieht: „Dieser Frieden wird heute von mehreren Seiten bedroht. Autokratien, die Grenzen verschieben und Völkerrecht als Verhandlungsmasse behandeln. Kriege, die mitten in Europa toben. Und Rechtspopulisten, die im Inneren unserer Demokratien sägen – die Institutionen schwächen, Solidarität als Naivität verhöhnen und die Erinnerung an die Geschichte als lästige Zumutung behandeln."
„Wir tragen als Deutsche eine besondere Verantwortung vor der Geschichte", so Traulsen weiter. „Nicht als Dauerschuldbekenntnis, aber als klaren Kompass: Wer weiß, wohin Nationalismus, Abschottung und die Relativierung von Menschenrechten führen, hat keine Entschuldigung mehr, wegzuschauen. Diese Verantwortung verjährt nicht."
„Der 1. September ist kein Gedenktag für Archive. Er ist eine Frage an uns alle: Was tun wir heute, damit dieser Frieden hält?", schließt Traulsen.
