Traulsen (Die Linke): Der 8. Mai mahnt – und er verpflichtet

Vor 81 Jahren endete die größte Katastrophe, die die Menschheit je über sich selbst gebracht hat. Der 8. Mai 1945 ist ein Tag der Befreiung – erkauft durch unsägliche Opfer der Alliierten, durch Millionen Menschen, die ihr Leben gelassen haben, damit der nationalsozialistische Wahnsinn ein Ende findet.

„Dieser Tag verdient mehr als eine Gedenkminute. Er verdient Ehrlichkeit", sagt Timo Traulsen, Kreisvorsitzender der Nordhäuser Linken. „Und Ehrlichkeit bedeutet: Wir erinnern uns nicht als Unbeteiligte. Wir sind die Nachfahren der Täter. Das ist keine Anklage gegen jeden Einzelnen – aber es ist eine Verantwortung, der wir uns stellen müssen."

Es habe Menschen gegeben, die Widerstand geleistet hätten – aus unterschiedlichsten Überzeugungen, mit unterschiedlichsten Hintergründen, oft unter Einsatz ihres Lebens. „Dieser Widerstand verdient Respekt und Erinnerung", so Traulsen. „Aber er darf uns nicht zum Trost werden. Er war die Ausnahme, nicht die Regel. Die Regel war Mitläufertum, Wegschauen, aktive Beteiligung. Das gehört genauso zur Wahrheit dieses Tages."

Traulsen blickt dabei auch auf die Gegenwart: „Die größte Gefahr für unsere Demokratie kommt heute nicht von außen. Sie geht von denen aus, die nicht mehr erinnern wollen – die Geschichte relativieren, Verantwortung wegdiskutieren und dabei hoffähig machen, was nach 1945 als nie wieder galt. Wer die Erinnerung aufgibt, gibt den Schutzwall auf."

„Der 8. Mai ist kein Schlussstrich. Er ist ein Auftrag. Wir schulden ihn den Opfern – und wir schulden ihn uns selbst", so Traulsen abschließend.