31. August 2017

Wacker Nordhausen und die rechte Szene

Die Fanszene des Regionalligisten des FSV Wacker Nordhausen gilt schon seit langem deutschlandweit als zumindest rechtsoffen. In der Vergangenheit bewiesen die Anhänger der ehemaligen Wackerfront des Öfteren ihre antisemitische Haltung, etwa bei Auswärtspartien des Carl Zeiss Jena. Bereits 2012 berichtet die Zeit über „[…]eine militante und teils extrem rechte Hooliganszene[…]“ in Nordhausen.[1] Ob nun ehemals NDH-City, später die „Wackerfront“ oder die heutigen „Ultras Nordhausen“, alle Gruppierungen weisen mehrere Verbindungen zur Nordhäuser rechtsradikalen Szene auf. Von Seiten des Vereins schien diese Problematik bisher stets ignoriert worden zu sein, so spielte auch Präsident Nico Kleofas bereits 2012 die Probleme mit der offen rechten Fanszene in einer Podiumsdiskussion herunter.[2] Auch gemeinsame Fotos von Verein, Mannschaft und der rechten Fanszene vor einem Banner der Ultra- und Hooligangruppierung waren in der Vergangenheit keine Seltenheit. Zwar wurde es in den folgenden Jahren ruhiger um die politische Gesinnung der Fanszene, was sicherlich auch dem fast vollständigen Zusammenbruch einer strukturierten Ultragruppierung geschuldet war, doch sollte das nicht lange so bleiben. Bereits in der Saison 2015/2016 hängten Mitglieder der „Ultras Nordhausen“ im Heimspiel gegen den SV Babelsberg, dessen Fanszene der politisch Linken zugeordneten wird, ein Banner „Antifa halt’s Maul“. Reaktion des Vereins? Keine! Und auch ganz aktuell zeigt sich die Verstrickung von Ultras Nordhausen, rechter Szene Nordhausen und dem Fußballverein. So wird auf der offiziellen Facebookseite des Regionalligisten eine Spendenübergabe der Ultras Nordhausen angepriesen.[3] Szenekundige Menschen dürften bei dem Bild jedoch sofort gestutzt haben. So ist dort in Mitten der Übergabe kein Geringerer als der Nordhäuser Maximilian H. zu erkennen. H. wird von Beobachter*innen der Nordhäuser rechtsradikalen Szene generell dieser zugeordnet[4]. So ist er oftmals im direkten Umfeld von Mitglieder der verfassungsfeindlichen NPD Nordhausen zu sehen oder aber als Teilnehmer mehrerer Demonstrationen rechtsradikaler Organisationen wie etwa der durch den Thüringer Verfassungsschutz beobachteten und als rechtsextrem eingestuften Volksbewegung Nordthüringen. Dass dieser Schnappschuss kein Zufall ist, zeigen andere Aufnahmen von Spielen des FSV Wacker Nordhausen, wo H. des Öfteren als Capo, also eine Art akustischer Anheizer, zu sehen ist. Auch hier wartet man vergeblich auf eine Reaktion seitens des Sportvereins. Gerade auch, weil sich Wacker Nordhausen mit der Namensgebung ihrer Heimspielstätte auch einem historischen Kontext verpflichtet hat. So war Albert Kuntz ein deutscher Politiker der KPD und Gegner des NS-Regimes, dessen Leben ihm im damaligen Konzentrationslager Mittelbau-Dora auf grausame Weise genommen wurde. Wir verurteilen diese erschreckende Klüngelei und Toleranz gegenüber der rechten bis rechtsradikalen Szene im eigenen Fanblock und zeigen uns entsetzt ob des massiven Affronts gegenüber den Idealen und Leiden des Albert Kuntz.

 

[1] http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2012/12/17/thuringens-tiefbraune-fusballfans_10859

[2] Ebd.

[3]https://www.facebook.com/wackernordhausen/photos/a.256967277662108.83383.223905864301583/2030686496956835/?type=3&theater.  

[4] https://thueringenrechtsaussen.wordpress.com/2016/02/17/die-neonazi-szene-in-nordhausen-teil-2/